Das Grab von Alfred Polgar auf dem Friedhof Sihlfeld 

Von Martin Dreyfus

Nachdem sich Alfred Polgar bereits in den 1930er Jahren zuweilen im Hotel Urban in Zürich aufgehalten hatte – auch beim Einmarsch der Nationalsozialisten in Wien 1938 –, kommt er nach dem Ende des Krieges erneut in die Stadt zurück (die er nebenbei in seiner unnachahmlichen Weise als zugleich «lieblich, infam teuer, stinkfade» bezeichnet). Wiederum lässt er sich, unterbrochen von Reisen, im Hotel Urban nieder. Bis zuletzt wird er in diesem längst verschwundenen Emigranten-Hotel «Wohnsitz» nehmen. 1955, am 24. April, verstirbt er hier in seinem Zimmer. Beigesetzt wird die Urne mit seiner Asche am 4. Mai auf dem städtischen Friedhof Sihlfeld. Im gleichen Grab wird 1973 auch seine Frau Elise «Lisl» Polgar bestattet, die im Alter von 82 Jahren, im Jahr von Polgars 100. Geburtstag, verstirbt.

Das Grab ist mit einer einfachen Platte mit den Lebensdaten Polgars bzw. dem Sterbedatum von Lisl Polgar mehr «gekennzeichnet» denn «geschmückt», zumal die Inschrift zurzeit kaum mehr zu entziffern ist. Über 70 Jahre nach dem Tod Alfred Polgars und über 50 Jahre nach dem Tod seiner Frau ist die Grabstätte inzwischen alle paar Jahre von der Diskussion um Aufhebung betroffen. Bisher konnten die dafür zuständigen Instanzen immer wieder von der Bedeutung Alfred Polgars «überzeugt» und damit die Auflassung des Grabes verhindert werden. Allerdings ist es bis heute nicht gelungen, ein nicht auflassbares Ehrengrab (wie etwa für Gottfried Keller) zu erwirken, weshalb das Damoklesschwert einer Aufhebung beständig über der Grabstätte hängt. Zudem sollte auch die Grabplatte dringend instand gestellt werden, damit die Inschriften wieder lesbar wären. Beides stellt ein Desiderat, eine Herausforderung für die APGZ dar.